Ohne Titel

Tag 6

«Mom, sie bringt alles durcheinander. Hast du sie reiten sehen? Wenn sie so weitermacht, reitet sie sich in den Tod. Was tust du dem Mädchen, uns allen, damit an? Ist dir das klar?», eine männliche Stimme, die ich nicht zum ersten Mal höre. Sie gehört dem jungen Mann, von dem ich Ísblær bekommen habe.

«Aron, es geht nicht anders. Sie ist jetzt hier, und kann sich offenbar nicht erinnern, und das darf sich nicht ändern», sagte eine weibliche Stimme, die eindeutig Elín gehörte.

«Seit dem Feuer bist du nicht mehr du selbst. Seit dem Feuer ist nichts mehr wie früher», rief Aron, und ich hörte, wie Schritte sich entfernten. Kurz danach hörte ich ein unterdrücktes Schniefen, das immer leiser wurde, bis nichts mehr zu hören war. Was für ein Feuer? Haben sie eben über mich gesprochen? Aber was mich am meisten verwundert: Warum können sie perfektes Deutsch, sprechen mit mir aber auf isländisch? Ich versuche mich aufzurichten, was erstaunlicherweise geht. Dann stütze ich mich und stemme mich hoch. Ich stehe.

Langsam humple ich zum Stalltor und sehe hinaus. Ich lege meinen Kopf in den Nacken und schaue in den Himmel. Er ist rabenschwarz, genau wie heute Morgen. Auch jetzt sehe ich die Sterne und den Mond, doch im Unterschied zum Morgen, weiss ich jetzt, dass hier was nicht stimmt. Es ist verborgen unter Schweigen, doch das Schweigen trügt. Ich werde herausfinden, was hier nicht stimmt. Das ist klar.

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