Tag 22
Ich liege in meinem Bett und schlafe friedlich, als ein lautes Wiehern mich aus meinem Traum reisst. Ísblær. Ich springe aus dem Bett, schlüpfe in Trainerhosen und Pulli, hetze die Treppe hinunter und bleibe schliesslich stehen. Vor mir steht er. Der Hengst, den ich über alles liebe, galoppiert davon. Ich spute hinterher. Er bleibt immer kurz stehen, dann hole ich etwas auf und schon prescht er weiter.
Schliesslich bleibt er stehen. Ich bleibe neben ihm stehen und verkralle meine Hand in seinem Fell. Er hat mich an einen zugefrorenen See geführt. Ich fühle, dass wir nicht allein sind. Etwas ist auch hier. Oder jemand? Mein Blick huscht herum, doch ich sehe nichts. Es sind bloss Schatten, doch für einen Moment sehe ich eine Gestalt. Ein Mädchen. Sól. «Sól? Bist du hier? Komm, ich musss dir etwas erzählen. Ich bin es, Maya!», doch die Gestalt ist nicht mehr zu sehen. Ich versteife mich, doch Ísblær kommt zu mir und legt seinen Kopf an meine Schulter. Ich sehe traurig auf den Schnee.
«Sól, wenn du mich hörst: Ich habe alles versucht, um deiner Familie zu erklären, was damals geschehen ist. Arnar hat es gestanden, er hätte mich beinahe getötet, doch ich habe es überlebt!», rufe ich laut. An Ísblær gewandt füge ich leise hinzu: «wegen dir.»