Ohne Titel

Tag 20

Ich schliesse die Augen und auf einmal kommen all die Erinnerungen wieder. Sie durchfluten meinen Kopf.

Ich sitze hinter Sól. Wir galoppieren zusammen durch den Schnee. Schliesslich parieren wir durch, vor uns ist die Scheune, unser Geheimversteck. Wir gehen hinein und lassen uns ins Stroh fallen. Legen uns dicht aneinander, verschränken unsere Finger und quatschen über den Tag.

Da öffnet sich ruckartig das Tor und eine Gestalt steht im Innern. Einen dunklen Mantel mit einer Kapuze, die Gestalt tief ins Gesicht gezogen. Der Blick der Gestalt fällt auf unsere ineinander verschlungenen Hände. «Sól, weg von dem Mädchen. Sie ist gefährlich. Sie nutzt dich aus!» Die Stimme der Gestalt bricht. Ich erstarre, doch Sól reagiert. Sie steht auf und stellt sich zwischen mich und die Gestalt. Ich starre der Gestalt direkt ins Gesicht. Das Gesicht kommt mir bekannt vor, zu bekannt. Doch wer ist es? «Geh, lass mich und Maya in Ruh. Verschwinde!», Sóls Stimme wird lauter und sie funkelt die Gestalt wütend an.

Die Gestalt geht auf sie zu und nun stehe ich auf und trete vor sie. «Hast du nicht gehört? Verschwinde!», fauche ich wütend. Die Gestalt zückt etwas. Ein Messer. Verdammt! Sie geht einige Schritte auf mich zu. Ich weiche zurück. Ein Querbalken, presst sich in meinen Rücken. Ich kann nicht weiter zurück. Ich stecke in der Falle. Verdammt! Plötzlich spüre ich die Hitze um mich herum. Feuer. «Ich hasse dich! Du zerstörst alles, was ich und Sól hatten. Wir gehörten zusammen und jetzt verdirbst du sie. Aber das werde ich verhindern. Ich gehöre zu ihm, niemand sonst!» die Stimme der Gestalt ist leise. «Falsch, Sól hat dich fortgeschickt. Akzeptiere…» Die Gestalt treibt mich weiter nach hinten. Einen Schritt weiter und ich falle in die Flammen. Sie legt mir das Messer an die Kehle. Blut rinnt mir den Hals hinab. «Du …», Sól springt auf die Gestalt zu und will sie auf den Boden schleudern, doch die Gestalt ist schneller. Sie stösst mich mit letzter Kraft nach hinten. Das letzte, was ich höre, ist ein gellender Schrei.

Ich spüre Fell unter mir, ein vertrautes Schnauben dringt zu mir hindurch, dann wird mir schwarz vor Augen.

Plötzlich ist mir klar, wer die Gestalt war. Ich kenne sie, sie kennt mich, wir kennen uns. Zu gut

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