Tag 16
Ísblær galoppiert immer weiter, bis eine Scheune vor uns aufragt. Ein Ort, der mir zu bekannt vorkommt. Ich betrachte die Scheune. Sie ist heruntergebrannt und man sieht nur noch die Überreste von dem, was sie einmal war. Ich gleite von seinem Rücken, meine Schritte führen mich in die Mitte dieser Überreste.
Ein kalter Schauder läuft mir über den Rücken und ich habe Gänsehaut. Auf dem Boden liegt eine Kette. Ich hebe sie hoch, etwas ist hineingraviert, doch wegen des Russes ist nichts mehr zu lesen. Ich wische die Kette am Saum meiner Jacke ab und erstarre, als ich es lesen kann.
Sól
Ich lasse die Kette in meine Hosentasche gleiten. Scheppern. Hinter mir. Ich wirble auf dem Absatz herum und erstarre. Da steht jemand. Eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen, kommt langsam auf mich zu. Ich stolpere einen Schritt rückwärts, dann noch einen. Die Gestalt zieht etwas Langes, Glänzendes aus ihrem Gürtel. Ein Messer. Ich stehe mit dem Rücken an einen Querbalken gepresst und kann unmöglich weiter nach hinten zurückweichen. Die Gestalt hat mich da, wo sie mich haben wollte. Sie legt ihr Messer vorsichtig an meinen Hals. Ich spüre, wie Blut meinen Hals hinabrinnt. «Du …», zischt sie. Ein kehliges Wiehern erklingt und Hufe wirbeln durch die Luft, die Gestalt bricht vor mir zusammen. Hinter der Gestalt steht …
Ísblær.
Ich laufe zu ihm und drücke mein Gesicht in sein Fell. Tränen laufen mir die Wangen hinab. «Du hast mir mein Leben gerettet.» Und das nicht das erste Mal, füge ich in meinem Kopf hinzu.