Ohne Titel

Tag 11

Meine Beine führen mich nach unten. Auf den Hof, der wie immer überfüllt und lebendig ist. Ich gehe unbemerkt zum Stall, an den Boxen entlang, zu Ísblær. Er sieht mich an. Seine Augen kommen mir vertraut vor. Sicher. Er erkennt mich. Altes Vertrauen, das ich vergessen habe.

Ich galoppiere über eine Wiese. Ísblær trägt mich sicher und wieder freudig. Ich schliesse die Augen. Meine Taille wird von Händen gehalten. Blonde Haare wirbeln vor meinem Gesicht in der Luft herum. Ich höre helles Lachen und drehe den Kopf. Ein Mädchen sitzt hinter mir. Blonde Haare und strahlend blaue Augen. Sie lacht und ihr Blick zeigt Liebe: «lítil systi». Kleine Schwester.

Ich öffne die Augen wieder und mir wird klar, wie eng die Bindung zwischen mir und diesem Mädchen gewesen sein muss. Was ist passiert, dass meine Erinnerungen ausgelöscht wurden?

WUMM

Das Stalltor fällt krachend ins Schloss.

Ich spüre die Hitze um mich herum. Etwas Oranges ist um mich herum. Ich sehe die Farbe undeutlich. Ich kneife die Augen zusammen, öffne sie wieder und blinzle. Doch ich sehe nicht scharf.

Ein markerschütternder Schrei erklingt, dann ein schrilles Lachen. Ich höre einen dumpfen Aufprall, Schritte. Ich versuche aufzustehen, mich zu erheben, doch ich falle. Ein Wiehern ist zu hören. Es ist panisch. Ich muss dem Tier helfen, abermals kämpfe ich mich auf die Beine, und sacke wieder zusammen. Meine Lunge bekommt kaum mehr genügend Luft. Ich keuche und muss husten, doch um mich herum ist nur Rauch. Ich kriege keine Luft mehr, ich ersticke!

Ein dumpfes Schnauben, holt mich zurück in die Wirklichkeit. Ich zittere am ganzen Körper und bin durchschwitzt. Ich versuche, mich zu erinnern, was ich eben noch gedacht habe, doch meine Erinnerungen sind wie weggewischt. 

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