Ohne Titel

Tag 18

Ich sitze auf meiner Bettkante, das Tagebuch auf meinen Knien. Mein Blick schweift nach draussen auf den Hof. Er ist leer, niemand ist mehr zusehen. Mein Blick fällt wieder auf das Tagebuch. Ich lese die Sätze immer wieder. Was fehlt?

Ich gehe zum Fenster und schaue in den Himmel. Er ist rabenschwarz, obwohl es erst früher Nachmittag ist. Polarnacht. Die Sterne leuchten hell, der Mond erhellt den Himmel, als würde er sicher über allem ruhen. Ich blicke zu meinem Schreibtisch, darauf das Foto des Weihnachtsmarktes, die Gestalt im Hintergrund. Ein Schauder läuft mir über den Rücken. Dieser Blick. Die stechend blauen Augen. Das Muttermal.

Draussen erklingt ein dumpfes Wiehern. Ísblær. Er weiss, was geschehen ist. Auch wenn alle es zu verbergen versuchen, weiss ich, dass hier etwas nicht stimmt. Die offizielle Geschichte ist falsch. Und bald werde ich wissen, was genau geschah. 

Plötzlich fällt es mir auf. Die Worte aus dem Tagebuch müssen nach dem Brand geschrieben worden sein. Das heisst, Sól war nicht allein in dem Schuppen. Sie hatte Gesellschaft.

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